P i t t i

Hallo, ich heiße Pitti und wohne in der "Priwall - Hundehütte"


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Im Sommer 1998 hat man mich gefunden und ins Tierheim gebracht. Dabei hatte ich noch ganz viel Glück, denn ich mußte dort nur vier Wochen auf ein neues Zuhause warten. Und das, obwohl man mich als Pitbull-Mix den sogenannten "Kampfhunden" zugeordnet hatte.

Ich weiß es noch genau: es war der 13. August 1998. Die Öffnungszeit für Besucher hatte gerade begonnen, und ich hoffte inständig, dass mich der eine oder andere nette Mensch mitnehmen würde.

Dabei ging es mir eigentlich nicht schlecht im Tierheim. Ich wurde gut versorgt und vor allem war hier richtig was los. Aber dennoch vermisste ich ganz doll einen Menschen, der mich liebte und mit dem ich den ganzen Tag etwas unternehmen oder auch mal kuscheln konnte.

Und da kamen sie nun. Aber mir war gleich klar, dass es nicht einfach werden würde. Die beiden liefen scheinbar ziellos durch die Gänge und schauten sich alle meine Kollegen an. Offenbar hatten sie keine rechte Vorstellung davon, wie ihr neuer Freund aussehen sollte.

Sofort sah ich meine Chance. Schon damals waren die Zeiten für "Kampfhunde" wie mich äußerst schlecht. Die meisten von ihnen, die in den Tierheimen strandeten, kamen dort kaum oder manche gar nicht mehr heraus.

Nun also steuerten der Mann und die Frau auf meinen Zwinger zu, und ich wusste nur eines: wenn ich hier herauswollte, musste ich mit allen Mitteln ihre Aufmerksamkeit erringen. So wedelte ich auf Teufel komm raus. Der Mann war auch tatsächlich auf Anhieb ganz begeistert von mir und sagte zu seiner Frau: "Schau mal, ist die Kleine da nicht ganz reizend?" Aber ... ich merkte sofort: Sie mochte mich nicht. Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, ging sie vorbei mit den Worten: "Die Hündin da? Das ist doch wohl nicht dein Ernst. Weißt Du eigentlich, was das für eine Rasse ist? So ein gefährliches Viech kommt mir nicht ins Haus!"

Damit ging sie weiter zum nächsten Zwinger, in dem ein riesiger Bernhardiner saß und sie mit seinen treuen Augen ansah. Eine Tierpflegerin kam hinzu, und mit ihrer Hilfe wurde beratschlagt, welcher der fünf Aspiraten, die ins Auge gefasst waren, nun mitgenommen werden sollte.

Leider, leider gehörte ich nicht dazu, obwohl ich doch sooo schön gewedelt hatte. Ich bekam mit wie ein Hund nach dem anderen aus der engeren Wahl fiel. Der Schäferhund von gegenüber vertrug sich nicht mit anderen Rüden. Der kam also nicht infrage, denn das Ehepaar hatte bereits einen Border-Collie-Rüden. Auch der Bernhardiner war schon so gut wie vergeben. So blieb schließlich keiner mehr übrig.

Da kam der Mann wieder zu mir zurück, schaute mich an und steckte einen Finger durch die Gitterstäbe meiner Behausung. Und - Leute, Ihr könnt mir glauben - ich wedelte mir regelrecht den Schwanz aus dem Leib und strahlte mein Gegenüber mit meinen kugelrunden, bernsteinfarbenen Augen an, was das Zeug hielt. Schließlich leckte ich die Hand, die mir entgegengestreckt wurde, mit all meiner Hundeliebe, die ich für Menschen empfinde, ab. Die Frau hatte das beobachtet und schaute mich nun prüfend an, überlegte einen Augenblick und sagte dann: "O.k.- es wird sicher nicht einfach werden wegen den Nachbarn und den anderen Leute. Aber diese Pitbull-Hündin scheint ein freundliches Wesen zu haben - geben wir ihr eine Chance!"

Mit diesen Worten begann mein zweites Leben.

Sigrid Bojert
priwall-hundehuette@web.de




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