J i m m y

Zuhause gefunden......

Ich wollte nur schnell berichten, daß ich es endlich geschafft habe! Ich bin nur noch zu Gast im Tierheim. In vier Jahren harter Arbeit habe ich "MEINE" Leute an mich gebunden und so erzogen, daß sie mich wollten.



Trotz meiner Spleens und Macken - und meines Zerstörungswutes. Ja, wirklich, sie wollten mich, so wie ich bin. Das war natürlich ein ganz tolles Gefühl. Im März 2001 wurde ich endlich adoptiert und schlafe seitdem Nachts in einem warmen Körbchen, - und wurde etwas größenwahnsinnig.

Ich hatte mich nach drei Monaten so gut eingewöhnt, daß ich den Wechsel tagsüber Tierheim, abends und am Wochenende bei Frauchen, irgendwie nicht verkraftete. Ich fing an, mich ganz fürchterlich an ihr zu rächen, wenn sie mich morgens ins Tierheim brachte.

Zog die Decken meiner Nachbarn in meine Box und machte mal wieder alles kaputt, was in meine Reichweite kam. Nicht nur Decken...... Ich wurde wieder aggressiv, weil ich Angst hatte, ich werde nicht mehr abgeholt und wieder im Stich gelassen - wie schon sooo oft.

Ich merkte dann, wie Frauchen langsam verzweifelte und sich große Sorgen machte.


Schließlich fuhr sie mit mir zum Tierarzt. Der schaute mich lange an, untersuchte mich, legte die Stirn in Sorgenfalten und gab uns ein Medikament mit, das meine Trennungsangst ein wenig lindern sollte. Ich bekomme nun morgens und abends eine Tablette und ca. seit September zeigt sich eine Besserung. Ich mag zwar immer noch nicht allein bleiben, aber ich finde es gar nicht mehr schlimm, morgens in den "Kindergarten" zu müssen (Frauchen nennt das so). Dort darf ich wenigstens ungestört herumkläffen, was Zuhause absolut nicht erlaubt ist. Ich gehe nun in die Hundeschule und lerne dort ganz artig das, was ein guter Hund können sollte.

Ich höre zwar nicht immer (- schließlich bin ich ein waschechter TERRIER.....aber immer öfter). Wenn Frauchen mich dann lobt und stolz auf mich ist, weil ich das gemacht habe was ich soll, ist das für mich auch ein tolles Gefühl. Ich bemühe mich ja auch, alles richtig zu machen, aber manchmal geht eben mein Terrierblut mit mir durch. Dann schaue ich Frauchen immer ganz geknickt an, wenn sie mit mir schimpft - aber es hilft nicht viel. Sie beachtet mich dann gar nicht - und das ist für mich die größte Strafe überhaupt. Irgendwann komme ich dann an und stupse sie an oder lege meinen Kopf an ihr Knie - dann kann sie mir nicht mehr richtig böse sein...

Sie hat allerdings klare Regeln aufgestellt - und die brauche ich auch. Wenn ich weiß, was ich darf und was nicht, bin ich glücklich. So darf ich zum Beispiel nicht aufs Sofa, nicht ins Schlafzimmer und schon gar nicht am Tisch betteln. Ich muß mich an der Ampel oder am Zebrastreifen immer setzen - und sehr viele Gehorsamkeitsübungen machen. Zum Ausgleich massiert sie mich dann abends und übt an mir den TTOUCH. Ich sage Euch, das ist ein tolles Gefühl, so ganz langsam durchgeknuddelt zu werden. Das könnte ewig so weitergehen.

Ich bemühe mich jedenfalls, ein netter Hund zu werden, und ich habe auch schon Hundefreunde gefunden: Manchmal laufe ich im Tierheim zusammen mit Zero (dem Großen), Assi, Mona, Lisa, Blacky, Tina, und sogar mit Biggi & Poldi herum. Unterwegs beim Gassigehen treffe ich Jamy, Struppi (vor ihr habe ich etwas Angst....) und Baron (vor dem Riesenschäferhund habe ich einen Mordsrespekt).

Na ja, die Geschichte mit den Schäferhunden möchte ich jetzt nicht erzählen. Oder doch? Vor 2 Jahren hat mich eine Schäferhündin zwischen ihren Zähnen gehabt. Und drei Tage lang war nicht klar, ob ich das überstehe.... Aber: Terrier sind verdammt zäh und nicht so schnell klein zu kriegen! Ich hab's überlebt, aber jetzt zeige ICH jedem Schäferhund, der mir unterwegs entgegen kommt, dass man sich mit mir besser nicht anlegt....:o)

Ich glaube, ich bin auf dem Weg, ein glücklicher Hund zu werden und bedanke mich auf diesem Wege bei der Tierheim-Crew in Lippstadt, die einem "Möbelfresser" wie mir durch das Tagasyl nach 4 Jahren Tierheim und 3 Vermittlungsversuchen überhaupt erst die Chance gegeben haben, "vermittelbar" zu sein.

Noch ein paar Jahre Zwinger pur, und ich wäre völlig durchgedreht. Auf dem besten Wege war ich schon - jetzt hoffen alle, daß die Medikamente dauerhaft helfen... Vor allem mein Frauchen hofft das.

Danke auch an Ihre Eltern, ohne deren Unterstützung und Hilfe es nicht ginge. Die beiden springen schon mal als Babysitter oder Chauffeur für mich ein, wenn Sabine länger arbeiten muß.

Als Ausgleich für das Tagasyl bearbeitet mein Frauchen abends zuhause die e-mails vom Tierheim und backt jeden 2. Samstag in der Fußgängerzone Waffeln für meine Tierheim-Kumpels. Man merkt, die gaaaanz verkorksten Tierheim-Seelchen landen meist bei aktiven Tierschützern...

Übrigens:

Ich versuche, Besuch in Sabines Wohnung (oder bei Ihren Eltern) nicht zu fressen, aber ich mag keine Fremden in unserem Revier. Und ich hasse Türklingeln... Ich möchte "meine Leute" ganz für mich allein.....und schließlich habe ich im Sommer schon erfolgreich einen Einbrecher vom Baugerüst vertrieben, als das Haus in dem wir wohnen angestrichen wurde!!!!!

Ach, und an Frauchens PC darf ich eigentlich auch nicht. Jetzt muß ich aber machen, daß ich wieder in mein Körbchen komme...........

Euer Jimmy



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